Unhaltbarkeiten

Selbst der Wiederaufbau einer Kirche, von den Briten wohlwollend unterstützt, wird noch in den Dreck gezogen.

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Über Björn Höcke wurde die Tage schon viel geschrieben (selbst bei VICE) und vor allem auch über die Sachfehler seiner in Dresden gehaltenen Rede.

Sie ist falsch in jedem Sinne, noch in den letzten Verästelungen.

Der von Markus Mohr schon zu recht thematisierte Wiederaufbau der Frauenkirche war für uns Patrioten ein Hoffnungsschimmer dafür, dass es ihn doch noch gibt, diesen kleinen Funken deutschen Selbstbehauptungswillen.

Selbst der Wiederaufbau einer Kirche, von den Briten wohlwollend unterstützt, wird noch in den Dreck gezogen.

Es ging eben nicht darum, wie Jasper von Altenbockum meinte, dass ein hessischer Oberstudienrat mit thüringischem Landtagsmandat die Kapriolen Walsers oder Augsteins wiederholte.

Es geht um sehr viel mehr; um nichts weniger nämlich, als Deutschlands Verbleib in der Atlantischen Welt. Und diese ist mehr als gefährdet, wie Martin Sabrow mit Blick auf die geschichtspolitischen Verwerfungen in Europa schreibt. In Bezug auf Dresden und die dortige AfD-Versammlung beobachtet er zudem:

Ihr Sprecher [Höcke] lehnt sich an den nationalsozialistischen Führerkult an, indem er sich zum Messias stilisiert, der aus seiner Erfurter Einsamkeit auf die Suche nach Gefolgschaft gegangen war, bis er „mit (m)einer kleinen Thüringer Gruppe dann endlich den Pegida-Spaziergang gefunden hatte“, der ihm zur mythischen Geburt eines neuen Marsches auf Berlin wird.

Von Westalgie, der Sehnsucht nach der Bonner Republik (so die FAZ noch vor der letzten Bundestagswahl), ist die „Alternative für Deutschland“ längst nicht mehr motiviert.

#BTW2017 – Eine Wahl unter dem Eindruck der Geschichtskultur?

Von Angela Merkels Lieblingsgeschichtsbuch war hier schon die Rede. Über die Favoriten ihres Konkurrenten, Martin Schulz, erfuhr man heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Streit um den australischen Nationalfeiertag

Am 26. Januar zelebriert man in Australien den Tag der Landnahme. In den letzten Jahren wuchs die Kritik an diesen Feiern: Die Perspektive der Ureinwohner bliebe ausgeblendet. Im Städtchen Fremantle schloss man sich der Kritik an. Warum ein versuchter Boykott aber nicht funktionierte, erfährt man bei der ABC.

Der Brexit im historischen Vergleich

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[Entwicklung des Britischen Empires von 1492-2007; Gerrynobody für die englische Wikipedia via WikiCommons]

Neues zum Thema Brexit und Geschichte: In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fasst Patrick Bahners zusammen, wie auf den Inseln über die historische Dimension des Brexits geschrieben wird (u.a. wird Bezug genommen auf einer Analyse der Wirtschaftshistorikerin Victoria Bateman).

Narcos – Stereotype und Geschichtsbilder

 

Über die Weihnachtstage stellte ich fest: Netflix‘ Narcos ist eine verdammt unterhaltsame Serie – mit Suchtpotential und voller Geschichte. Und dabei rede ich nicht vom Revival der weißen Tennisschuhe. Pinochet kommt ebenso vor wie die ersten Handys (und deren Überwachung), Deutschlands Einwanderungspolitik nach dem Holocaust sowie die kommunistische Guerilla M-19.

Dass dabei jedoch allerhand Stereotype und (falsche) Geschichtsbilder an ein Millionenpublikum vermittelt werden, analysierte das Webmagazin „Latino Rebels“. Sehr lesenswert, gerade auch für Fans!

Die Deutschen, die Amerikaner und die Erinnerung an den Holocaust

Der aus Deutschland stammende Historiker Jacob S. Eder hat jüngst eine (englische/US-amerikanische) Dissertation vorgelegt, in der ein bis heute bedeutsames Stück (bundes-)deutscher Geschichtspolitik thematisiert. In „Holocaust Angst“ geht es zum einen darum, wie US-Amerikaner seit den 1970er-Jahren an die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden erinnern – nämlich zunehmend mit dem Begriff „Holocaust“.

Zum anderen – und vor allem – untersucht Eder die Frage, inwiefern die Rezeption dieser Geschichtskultur durch die Bundesregierung unter Helmut Kohl deutsche Außenpolitik prägte; und inwiefern dabei besonders Versuche unternommen wurden, das Deutschland-Bild in den USA zu korrigieren.

Peter Hoeres, Professor an der Universität Würzburg, hat das Buch in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am 2. Januar stark kritisiert.

Nun reagiert Jacob S. Eder auf dem Wissenschaftsportal der Gerda-Henkel-Stiftung.

 

Nachtrag vom 17.03.2017:

Matthias Haß von der Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz rezensierte Eders Arbeit jetzt für H-Soz-Kult – mit einem kleinen Seitenhieb auf die bisherigen Besprechungen.