Ausflugstipp: Radtour an der Elbe in Hamburg-Bergedorf

Du fährst gern Rad und interessiert Dich auch für Geschichte am Wegesrand? In Bezug auf Münster habe ich schon einen entsprechenden Tipp gegeben, nun ist die neue Heimat Hamburg an der Reihe.

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Ich empfehle eine Tour entlang der Elbe zwischen Hamburg und Lauenburg, machbar sowohl mit dem Rennrad als auch mit dem Hollandrad, wobei man dann vermutlich eine Übernachtung einplanen sollte.

Doch zunächst etwas Tagesgeschehen: Da Schleswig-Holstein die Grenzen dicht gemacht hat, die Brücken in Geestacht und Lauenburg also nicht erreichbar sind, und in Bergedorf der Fährbetrieb eingestellt wurde, konnte ich die Elbe bisher nicht überqueren. Daher habe ich die Tour bisher nur in zwei getrennten Etappen absolvieren können und eben nur bis zur Landesgrenze („Up ewig ungedeelt“ gilt erst dahinter). Geschichtskulturelle Eindrücke gab es dennoch durchaus. Und ich beschreibe jetzt einfach mal eine Tour, die in anderen Zeiten problemlos am Stück gefahren werden könnte.

Meine Empfehlung geht dahin, zunächst südlich der Elbe entlang zu fahren, also auf der niedersächsischen Seite. Auf diese Weise hat man den Deich zur Linken und einen soliden Radweg auf der Rechten. Benutzungspflichtig ist der Weg nur auf einem kurzen Stück, was viele Rennradfahrer freuen dürfte.

Bester Startpunkt ist übrigens die Bundesautobahn 1. Richtig gelesen: Die dortige Brücke über die Süderelbe kann man, das hat mich auch überrascht, ebenso als Radfahrer/Fußgänger überqueren und zwar auf der östlichen Seite.

Der Rückblick auf Harburgs Hochhäuser ist insofern interessant, als man diese Stadtansicht ja eigentlich nur aus dem Auto kennt. Der Ausblick auf die Elbe ist freilich etwas schöner…

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Bereits vor der Brücke, in Hamburg-Wilhelmsburg, kann man ein Deichdenkmal besehen. Es wurde zum 600. Jahrestag der Eindeichung errichtet – interessanterweise im Jahr 1933. Über die Geschichte der Denkmalssetzung mitsamt etwaiger Zeitumstände weiß ich bisher noch nichts. Es scheint aber populär zu sein, der örtliche Museumsverein hat das Denkmal jedenfalls auf das Etikett einer Spirituosenspezialität gesetzt.

 Deichdenkmal Wilhelmsburg Findling und StelenDeichdenkmal in Hamburg-Wilhelmsburg, Aufnahme von Pauli-Pirat via wikimedia, CC-BY-SA-4.0

Ansonsten dominiert südlich der Elbe für mich eher der landschaftliche Reiz.

Nördlich der Elbe passiert man auf dem Weg nach Hamburg am Altengammer Hauptdeich ein interessantes Wohndomizil, nämlich eine umgebaute Mühle (Obacht, die Perspektive des Fotos ist westlich). Die angebrachte Informationstafel finde ich vorbildlich: Sie ist zweisprachig und enthält nicht bloß technische Angaben, sondern auch ein (geschichtskulturelles) Werturteil über den Denkmalswert der Anlage.

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IMG_9328Der Name Neuengamme ist wohl untrennbar verbunden mit dem nationalsozialistischen Konzentrationslager. Die am einstigen Ort eingerichtete Gedenkstätte hat jedoch wegen der Maßnahmen gegen das Corona-Virus vorerst geschlossen.

Ein ganz eigentümliches Denkmal anderer Art steht auf der rechten Seite. Die Inschrift verweist auf das Jahr 1871 und als gelernter Preuße und Zwischendurchelsasser dachte ich zunächst an einen Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg. Doch weit gefehlt.

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Dass eine Sturmflut, derer hier (immerhin mit 100 Jahren Abstand) gedacht wurde, noch heute droht, erkennt man an den Bushaltestellen an der Straße entlang des Deiches, die übrigens deichseitig ebenfalls einen gut ausgebauten Radweg bereithält, den man als Rennfahrer jedoch nicht zu benutzen hat. Auf den Haltestellentafeln steht nämlich dort, wo es kleine Ortschaften gibt, „Sammelstelle bei Sturmflut“. In den Vier- und Marschlanden wird weiter gegen das Wasser gekämpft. Der malerische Elbblick kann darüber nicht hinwegtäuschen.

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Rechterhand bestünde nun die Möglichkeit, Richtung Kirchwerder zu fahren. Dort gibt es einen reizvollen Kirchenbau, St. Severini – ein Abstecher, für den ich leider keine Zeit hatte.

Doch auch die Natur hat viel zu bieten: vielleicht weniger die Riesenschafe am Deich als Störche. Die Kirchwerder Wiesen sind zudem ein Naturschutzgebiet.

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Ob nun direkt am Deich unterwegs ist oder etwas weiter entfernt, in den Kirchwerder Wiesen – Richtung Westen fahrend erreicht man bald die Tatenberger Schleuse.

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An der Kreuzung zum Großen Moorfleeter Deich sah ich dann das schönste Stück Geschichtskultur seit Langem. Ein Spielplatz im Stil einer für die Vierlande typischen Mühle. Und selbst eine Informationstafel wurde aufgestellt. Leider ist der Text nicht gerade kindgerecht gestaltet (am PC bitte Rechtsklick, „Grafik anzeigen“): Sage und schreibe 28 Wörter schon im ersten Satz, Einschub über Einschub. Überdies sind keine historischen Aufnahmen abgebildet. Schade, da wurde eine Chance vertan.

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Der nun ausgeschilderte Radweg führt vorbei am „Industriedenkmal Kalthofe“, das 1893 wegen der Cholera erbaut wurde und heute die Geschichte der Hamburger Wasserkunst (=Versorgung) zeigt. Wegen der aktuellen Infektionslage ist es geschlossen, aber mit Sicherheit einen Besuch wert. Spannend fand ich den Kontrast mit den immer noch rauchenden Schornsteinen im Hintergrund.

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Der Radweg führt dann noch über das Sturmflutbollwerk Billwerder Bucht und endet dann wieder in der Nähe der A1, an der Brücke über die Norderelbe. Vorher kann man nochmal die Silhouette des Hafens bewundern.

Die Tour hat eben nicht bloß historischen Reiz.

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