Geheimtipp Harburg

Harburg gehört zu Hamburg, liegt aber südlich der Elbe. Der Bezirk ist etwas anders, das kann man schon an den Straßennamen ablesen, zum Beispiel am König-Georg-Deich. Dass Hanseaten, Stadtrepublikaner, ihre Straßen nach Königen benennen ist höchst ungewöhnlich. Harburg aber gehört erst seit 1937 zu (Groß-)Hamburg. Vorher war die Stadt preußisch und davor (vor 1866) Teil des Königreichs Hannovers, wie man eben am König-Georg-Deich erkennt.

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Nördlich der Elbe, zumal westlich der Alster, hält man nicht so viel von Harburg. Das hat viel mit alter Konkurrenz tun: Der Harburger Hafen war lange Zeit eine echte Konkurrenz für den von Hamburg. Auch mentalitätsmäßig war man sich lange so fern, dass eine von Napoleons Truppen erbaute Kombination aus Brücken und Fährverbindungen über die Norderelbe nach 1814 einfach dem Verfall preisgegeben wurde.

Ehrlich gesagt wollte ich auch nur schnell mit dem Rennrad durchfahren, auf dem Weg nach Stade und in Erwartung des wunderschönen Alte Landes (über Moorburg, Jork, Mittelnkirchen und Grünendeich – ein sehr zu empfehlende Tour, bisher die landschaftlich reizvollste meiner Fahrten durch das Umland).

Bereits auf dem Hinweg fiel mir die gut erhaltene Industriearchitektur auf, besonders in der Nähe des alten Museumshafens und im Bereich der Alten Harburger Elbbrücke. Auf dem Rückweg habe ich dann im großen Stil Fotos geschossen.

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Ich möchte hier auf drei Highlights der Präsentation von Geschichte im öffentlichen Raum hinweisen.

Erstens auf die bereits erwähnte Alte Harburger Elbbrücke, die parallel zur Brücke des 17. Juni führt – ein geschichtskultureller Overkill mag man meinen, aber eben architektonisch äußerst beeindruckend und durch Informationstafeln auch historisch interessant eingeordnet (Rechtsklick, „Grafik anzeigen“ macht die Schriften lesbar).

Am ebenfalls bereits erwähnten Museumshafen stieß ich auf folgendes Hinweisschild auf einen digitalen Stadtrundgang.

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Doch auch schon der herkömmlich-analoge Inhalt überzeugt: Die Texte sind zweisprachig, es gibt eine historische Aufnahme, die Sätze sind lesbar und enthalten konkrete Informationen, die einen Einblick in die Veränderungen ermöglichen. Die Umsetzung ist den Harburgern sehr viel besser gelungen als den Bergedorfern – die übrigens schon vor 1937 zu Hamburg gehörten, allerdings in einem Rechtstatus als Landherrenstadt, nachdem sich Hamburg und Lübeck sich bis 1867 die Hoheit geteilt hatten.

Doch zurück nach Harburg das dritte best-practice-Beispiel ist dieses Zeitfenster in unnmittelbarer Nähe des Museumshafens, am Kanalplatz. Diese Darstellungsform am einstigen Ort kannte ich bisher nur aus Glasgow, finde sie aber besonders anschaulich. Die Harburger Variante, das „Fenster in die Geschichte“ nutzt die bestehende Architektur dabei noch besser als die schottische „Trough a Lense“.

Also, ab über die Elbe, ins ehemalige Hannoversche. Harburg ist eine Reise wert!

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