Grabenkämpfe in der Altertumswissenschaft

MaskeAgamemnon[Die Maske Agamemnons; aufgenommen von DieBuche für Wikipeida, CC-BY-SA-3.0]

Am Freitag veröffentlichte die Neue Zürcher Zeitung einen Artikel über Eberhard Zanggers neue These, beim Untergang Trojas habe es sich um eine Art antike Weltkriegs-Schlacht gehandelt. In den 1990er-Jahren hatte Zangger große Kritik seitens der universitären Forschung geernete, als er eine neue Theorie über Atlantis vorstellte. Auch jetzt hält sich die Begeisterung in Grenzen.

Warum Troja ein so zentraler Erinnerungsort ist und mit welchen Tricks sich Archäologen und Historiker Konkurrenz vom Hals halten, kann man unter folgendem Link erfahren.

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Das Ende der Nachtzüge

Die Pfingstferien sind Reisezeit. Ein Fortbewegungsmittel wird man dabei allerdings nicht mehr allzu lang nutzen können: Deutschland und Frankreich schaffen in diesem Sommer die Nachtzüge ab. Welche Tradition des Reisens damit beendet wird und was dieser Schritt für die Idee Europa bedeutet, reflektierte am vergangenen Wochenende die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Mit der Stilllegung verabschiedet sich die Deutsche Bahn von einer Kulturform des Reisens, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Umbrüche, darunter zwei Weltkriege und den Eisernen Vorhang, überstanden hat.“

Lamborghini – Geschichtskultur im Zeichen des Stiers

Wikilamgtv

[Lamborghini GTV 350; Foto: Alfone45 für Wiki Commons]

Zum 100. Geburtstag des Autobauers Ferruccio Lamborghini veröffentlichte faz.net gestern eine kleine Reportage, die nicht nur wundervolle Fotos von schönen Autos zeigt, sondern auch viel Geschichte erzählt.

Ferruccio Lamborghini hatte im Zweiten Weltkrieg als Mechaniker in der italienischen Luftwaffe gedient. Nach 1945 baute er aus Kriegsgerät Traktoren. Er war also jemand, der, wie ihm verlinkten Artikel beobachtet wird, „Schwerter in Pflugscharen wandelte“.

Collection Panini Maserati 0111

[Früher Lamborghini-Traktor im Laborghini und Maserati Museum Modena; Foto Arnaud25 für Wiki Commons]

Ab 1963 konstruierte er dann Sportwagen. Insbesondere der Countach von 1974 brach mit allen bisherigen Formen des Automobildesigns. Eine Fortsetzung des Aerofuturismo? (Siehe dazu nochmal den Beitrag über „Porco Rosso“ (Japan, 1992))

Countach Autostadt

[Lamborghini Countach LP 4000 in der Wolfsburger Autostadt; Foto countanchinfo.de für Wiki Commons]

Ferruccio Lamborghini verstarb 1993. Schon Jahre zuvor hatte er seine Autobaufirma, die heute zum Volkswagen-Konzern gehört, verkauft. Seine Designobjekte stehen heute in Museen.

 

Zwischen Museum und Freizeitpark – Kriegserinnerungen in Belarus

In der Ausgabe der Neuen Zürcher Zeitung vom 7. Mai 2016 war eine ganzseitige Reportage aus Belarus/Weißrussland abgedruckt, die von verschiedenen Denkmälern und Museen berichtet, die allesamt an den Zweiten Weltkrieg erinnern. En passant erfolgen auch Verknüpfungen zum Schicksal der Afghanistan-Veteranen und ebenso wird die Geschichtspolitik der Regierung Lukaschenkos (bzw. Lukaschenkas) hinterleuchtet.

Es war für mich interessant zu lesen, wie das heroisch-stalinistische Wiederstandsnarrativ allmählich bröckelt und ganz allmählich und zumeist noch verhalten auch der zivilen Opfer, unter ihnen sehr viele Juden, gedacht wird.

http://www.nzz.ch/feuilleton/aktuell/belarus-und-der-grosse-vaterlaendische-krieg-freizeitpark-mit-stalin-ld.18413

Während meiner Zeit in Estland war mir öfters empfohlen und angeboten worden, Minsk zu besuchen. Die verpasste Gelegenheit ärgert mich gerade sehr.

Schweizer Gegenwart und Vergangenheit

Auf H-Soz-Kult veröffentlichte Michael Junker (Universität Luzern) eine Rezension zur Dissertation von Philippe Rogger über „Geld, Krieg und Macht“ (Baden 2015). Der Rezensent erläuert darin, wie sich in Vergangenheitsbetrachtungen politische Bedürfnisse der Gegenwart spiegeln. Konkret geht es dabei um das Eidgenössische Söldnerwesen im frühen 16. Jahrhundert, dessen ‚innenpolitsche‘ Wirkung und die ökonomische Einbindung der Schweiz in den Wirtschaftsraum Europa.

http://www.hsozkult.de/review/id/rezbuecher-24928?title=p-rogger-geld-krieg-und-macht&recno=5&q=&sort=&fq=&total=13738

Einen dystopischen Gegenentwurf zum nationalkonservativen Isolationismus der Marke SVP bietet bekanntermaßen Christian Krachts kontrafaktischer Geschichtsroman „Ich werde hier sein im Sonnenschein und Schatten“ aus dem Jahr 2008. Dieser wiederum ist nicht ganz ohne realhistorischen Hintergrund, siehe dazu die Arbeit von Lukas Zürcher, Die Schweiz in Ruanda, Zürich 2013 (rezensiert u.a. von http://www.hsozkult.de/review/id/rezbuecher-21786?title=test-url-titel).

Schulklassen in die Museen!

Barbara Welzel (TU Dortmund) erklärt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, was Museumsbesuche gerade bei Nichtbildungsbürgern bewirken können: Überlieferungen zu überdenken und an künftigen Auswahlentscheidungen teilzuhaben.

http://www.faz.net/-gqz-8gdbx

Musical über historischen Finanzminister auf Monate ausverkauft

Ronald D. Gerste berichtet in der Neuen Zürcher Zeitung davon, wie ein puerto-ricanischer Rapper an einen fast vergessenen Gründervater der Vereinigten Staaten erinnert – und wie diese begeistert aufgenommene Geschichte Sehnsüchte in Zeiten Trumps und Clintons artikuliert.

http://www.nzz.ch/feuilleton/buehne/hamilton-in-new-york-ein-musical-erobert-amerika-ld.16900