Must Rhodes Fall?

Cecile Rhodes (1853-1902) war Unternehmer, Mäzen, Politiker – und ein rassistischer Imperialist. Unter anderem war das heutige Simbabwe mal nach ihm benannt (Rhodesien).

In den letzten Jahren wird vermehrt darüber gestritten, ob ihm zu Ehren errichtete Denkmäler entfernt werden sollen. Faz.net brachte – schon vor einigen Wochen, ich komme hier gerade leider zu nichts – ein Interview mit dem Oxfordstudenten Max Harris, der ein Stipendium erhielt, das von Rhodes gestiftet und nach ihm benannt ist. Harris ist dabei alles andere als ein Rhodes-Fan, ein interessanter Einblick in eine fremde (Geschichts-)Debattenkultur.

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#Nazi-Vergleich: Tumulte auf der Buchmesse – Plädoyer in der taz

Auf der diesjährigen Buchmesse gerieten Rechte und Linke aneinander, es gab gar Handgreiflichkeiten. Vergleiche zur NS-Zeit hatten einmal mehr Konjunktur. Dirk Knipphals merkt dazu in der Tageszeitung an:

Demagogische Vergleiche mit Goebbels-Reden machten die Runde. Die Nazikeule wurde sowieso geschwungen, als ob man noch nie davon gehört hätte, wie unbeholfen und schwierig sie ist (und wie leicht man mit ihr in Gefahr gerät, im Umkehrschluss die historischen Gräuel der realen Nazis zu relativieren; ­Auschwitz ist immer noch etwas anderes).

Und plädiert in der Sache für eine inhaltsbezogene Auseinandersetzung mit (neu-)rechten Positionen:

Letztlich, was gilt es gegen die Neuen Rechten zu verteidigen? Das ist eben auch der Wille zur Differenzierung und auch der, sich nicht von den eigenen Projektionen gefangen nehmen zu lassen, es ist die Fähigkeit, Dissense gut auszutragen und untereinander bestehende Uneinigkeiten nicht durch die Produktion eines Feindbildes zu überspielen.

Bitte mehr von diesem „Wille[n] zur Differenzierung“!

 

Sinnvolle Vergleiche? Antike und Gegenwart

„Stehen China und die USA vor einem bewaffneten Konflikt?“, fragte gestern der Politikwissenschaftler Stefan Bierling in der Neuen Zürcher Zeitung. Dabei ging es überraschenderweise auch um das Verhältnis von Antike und Gegenwart, das in dieser Sammlung bereits öfter Thema war. Denn Bierling, Professor für Internationale Politik an der Universität Regensburg, bezog sich dabei unter anderem auf geschichtswissenschaftliche Erkenntnisse:

Der griechische Historiker Thukydides ist dafür Kronzeuge. Er schrieb über den Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs im 5. Jahrhundert vor Christus: «Es waren der Aufstieg Athens und die Furcht, die das in Sparta auslöste, was den Krieg unausweichlich machte.» Graham Allison von der Harvard-Universität hat in seinem neuen Buch «Für Krieg bestimmt: Können Amerika und China der Thukydides-Falle entkommen?» sechzehn vergleichbare Rivalitäten der vergangenen 500 Jahre analysiert. Das Ergebnis: Bis auf vier endeten alle mit Krieg. Allison hält einen militärischen Konflikt zwischen den USA und China in den kommenden Jahrzehnten für wahrscheinlich.

Solche Vergleiche – präziser vielleicht: Analogiebildungen – kritisiert dagegen der Althistoriker Roland Steinacher in einem Interview mit der Taz; wobei der Bezugspunkt ein anderer ist, geht es doch (einmal mehr) um die Völkerwanderung.

Slime wird denkmalwürdig

Am Hamburger Dammtor wurde 1936 ein Kriegerdenkmal errichtet, dass den Soldatentod im Ersten Weltkrieg aus nationalsozialistischer Perspektive (v)erklärt: „Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen.“

Fünfundvierzig Jahre später machte die Punk-Rocker von Slime daraus aus ihren einzigen großen Hit: „Deutschland muss sterben, damit wir leben können.“ (Wiederum neunundzwanzig Jahre später, 2000, fällte das Bundesverfassungsgericht ein Urteil, demzufolge das Stück unter die Kunstfreiheit fällt.)

Mittlerweile sind die Punker so alt geworden, dass ihnen die FAZ in ihrem neuen Magazin (Quarterly) selbst eine Art Denkmal setzt.

Sendetipp: Fußball und Geschichtskultur

„Nie mehr erste Liga? – Traditionsvereine nach dem Absturz“ heißt eine Dokumentation, die Das Erste heute Nacht um 23.45 Uhr bringt. Vorab heißt es:

Die Autoren Alexander Cierpka und Marc Schlömer begeben sich dazu nicht nur in München, Essen und Magdeburg auf Spurensuche. Sie begleiten die Fans der Klubs auf ihren Auswärtsfahrten bis in die Fußballprovinz und sprechen mit Verantwortlichen und Klublegenden über den Kampf zurück an die Spitze. Der verläuft bei den Vereinen unterschiedlich: Bei 1860 München müssen die noch verbliebenen oder neuen Verantwortlichen derzeit die Scherben nach dem Absturz in die Regionalliga zusammenkehren. Der 1. FC Magdeburg dagegen ist in der 3. Liga nach der knapp verpassten Relegation in der vergangenen Spielzeit erneut ein Kandidat für den Aufstieg. 

[…]

Zumindest eines teilen die Klubs aber trotz aller Unterschiede: eine große Gemeinde an verbliebenen Fans, Mitgliedern und Unterstützern, die ihrem Verein weiterhin die Treue halten. In der Hoffnung, ihn irgendwann doch wieder in der Fußball-Bundesliga gegen Bayern München oder Borussia Dortmund spielen zu sehen. Aber hilft eine ruhmreiche Tradition bei diesem Weg – oder ist sie eher hinderlich? Und ist es in Zeiten der Kommerzialisierung für einen tief gefallenen, einstigen Spitzenklub überhaupt möglich, wieder an die Erfolge von damals anzuknüpfen?

 

Denkmal im Weltraum

Die NASA schickte 1977 zwei Sonden durch das Sonnensystem, die sie Voyager 1 und 2 taufte. Sie haben ihre Zielobjekte längst passiert, Messdaten übermitteln sie aber bis heute (siehe einen tollen Bericht auf faz.net von gestern, zum Jahrestag des Raketenstarts).

Voyager 1 und Voyager 2 sind dabei nicht allein fliegende Labore, sondern auch Denkmäler.

An Bord befindet sich nämlich jeweils eine goldene Schallplatte. Gespeichert sind darauf unter anderem die Aufnahmen von 55 Menschen, die in ihrer Muttersprache grüßen, sowie große Musik – etwa von Bach und Beethoven. Eine Bedienungsanleitung für etwaige außerirdische Finder liegt übrigens bei.

Das schönste Denkmal der Menschheit –  eines, das auch dann noch an erinnern wird, wenn sie ausstirbt –  irrt in ein paar Jahren durch den Weltraum.

Eine etwas profanere Kopie kann man jetzt auch käuflich erwerben: