Schlossherr, Schlösser, Mittagspausengespräch – Das Fürstenberg-Denkmal am Domplatz in Münster

Fuerstenberg, Franz von[Portrait von Franz von Fürstenberg; Aufnahme: ULB Münster, gemeinfrei]

Seit Jahren, genauer gesagt, seit etwa 2009, ist der Domplatz in Münster eine große Baustelle. Das Landemuseum wurde umgebaut, an der Fassade des Doms gewerkelt, das F-Haus wird renoviert und hoffentlich sind bald auch die übrigen Museen an der Pferdegasse kernsaniert, sodass Münster endlich so etwas wie eine einschlägige Museumsmeile erhält. Während dieser Bauvorhaben ist ein Denkmal etwas auf dem Blickfeld verschwunden, das an einen Mann erinnert, der daran wohl seine helle Freude gehabt hätte: Die im Jahre 1875 eingeweihte Statue des Freiherrn Franz von Fürstenberg.

Fürstenberg war der letzte große Staatsmann des Fürstbistums Münster, das 1803 im Zuge der Napoleonischen Kriege durch den Reichsdeputationshauptschluss aufgelöst wurde (von da an begann, mit einigen Unterbrechungen, Münsters preußische Zeit, aber davon ein andernmal mehr…). Er regierte in Münster quasi wie ein Statthalter. Die Fürstbischöfe als eigentliche Landesherren lebten Ende des 18. Jahrhunderts nämlich lieber im mondänen Köln (respektive Bonn oder Brühl). Von dort aus regierten sie, zumeist aus Bayern stammend, eine ganze Reihe nordwestdeutscher Suffraganbistümer.

Wenn man so etwas wie ein Schlagwort für Fürstenbergs Statthalterschaft finden wollte, dann wäre es das der „Reform“. Unter anderem gründete er 1780 eine Universität, welche die Preußen nach 1815 jedoch degradierten, und zwar zu einer Akademie und zugunsten der Universität Bonn. Die nächsten Dekaden bildete man in Münster folglich bloß noch Lehrer und Theologen aus.

Das Hauptgebäude dieser Akademie stand am Domplatz. 1875, also ausgerechnet während der Zeit des Kulturkampfes, errichteten Münsteraner Bürger dem Freiherrn und bischöflichen Beamten eben dort ein Denkmal. 1902, als die Wogen der Auseinandersetzung zwischen Staat und katholischer Kirche allmählich geglättet waren, erhob Berlin die Akademie (wieder) in den Rang einer Volluniversität. Die junge Universität dankte es dem preußischen König zwei Jahre später mit ihrer Namenswahl, denn seitdem trägt sie den Namen Westfälische Wilhelms-Universität.

Das ehemalige Gebäude der Akademie wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Das Denkmal jedoch konnte ausgelagert und der Nachkriegszeit wieder eingeweiht werden.

Fürstenberg[Fürstenberg-Statue am Münsteraner Domplatz; Foto: Rüdiger Wölf für Wiki Commons]

Meiner Erinnerung nach trug die Fürstenberg-Statue seit ebenfalls etwa 2009 jahrelang eine besondere Verzierung, nämlich die oben abgebildete Verbindungsscherpe (?) in den Farben rot, weiß und grün (für sachdienliche Hinweise, in diesem Fall auf die Hintermänner, bin ich stets dankbar – war es am Ende doch eine Landesbehörde?).

Später wurde die Statue poliert und die Bemalung entfernt. Dann ging das Denkmal etwas verloren an der Baustelle am F(ürstenberg)-Haus. Auf dem Weg zu gestrigen Mittagspause bemerkte ich jedoch eine interessante und neue Entwicklung.

fberg[Fürstenberg-Denkmal am Münsteraner Domplatz; eigenes Foto]

Unbekannte haben den Freiherrn Fußfesseln angelegt und zwar in Form der bekannten Liebesschlösser. Einen Reim kann ich mir darauf nicht machen.

Wohl möchte ich aber mitteilen, was Freund D. am Mittagstisch beobachtete. Spaghetti Bolognese schmausend erinnerte sich D. an einen FAZ-Artikel, in dem ein Soziologe die Praxis des Anhängens von Liebesschlössern wie folgt erklärte: „Das Schloss repräsentiert damit, anders als der Ehering, der symbolisch für das Glied einer Kette steht, weniger die stetige Verbundenheit des Paares, sondern vielmehr die Stiftung der Verbindung qua Entscheidung.“

Genauso nachdenklich machte mich D.s zweite Beobachtung: Welche Hypothesen wird wohl ein Archäologe aufstellen, der in 500 Jahren eine längst versunkene Brücke entdeckt, an deren Geländer sich lauter Vorhängeschlösser befinden?

Werbeanzeigen

„Homosexualität_en“ – Meldung aus dem Münsteraner Museumsbetrieb

lwl_m

[Werbegraffito vor dem LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster; eigenes Foto]

Das Schwule Museum* (Berlin) konzipierte im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Deutschen Historischen Museum (ebendort) und dem LWL-Museum für Kunst und Kultur (Münster) die Ausstellung „Homosexualität_en“. Bisher war sie nur in der Hauptstadt zu sehen. In etwas veränderter Form kommt sie nun nach Münster. (Morgen Abend ist ab 20.00 Uhr die große Eröffnung. Vom 13. Mai 2016  bis zum 4. September 2016 folgt der reguläre Ausstellungsbetrieb.)

„Homosexualität_en“ hat auch einen historischen Teil. Er wird unter anderem das Porzellanservice zeigen,  das die Mitglieder der Mannschaft erhielten, die 1989 die Frauenfußball-EM 1989 gewann; außerdem Fotos von der bundesweit ersten Demonstrationen homosexueller Menschen im Jahr 1972, die übrigens in Münster stattfand. Eine historische Dimension hat ebenfalls der oben abgebildete Rosa Winkel: In den nationalsozialistischen KZ wurden Homosexuelle mit diesem Symbol ‚markiert‘. Ein Thema, von dem auch der Spielfilm „Un Amour à taire“ (Frankreich, 2005) handelt:

Jan Feddersen berichtete gestern in der taz davon, dass die Deutsche Bahn das aus Berlin bekannte Ausstellungsplakat kassiert hat.

In Münsters Straßenbild, in dem der schienengebundene Nahverkehr nun nicht gerade dominiert, ist es glücklicherweise durchaus präsent:

plakat

[Plakat zur Ausstellung „Homosexualität_en“ an einer Münsteraner Bushaltestelle; eigenes Foto]

Nachtrag in Sachen Bahn:

Die Pressestelle des Landschaftsverbandes twitterte übrigens schon am Dienstagmorgen, dass es nun doch losgehe mit der Reklame.