Sinnvolle Vergleiche? Antike und Gegenwart

„Stehen China und die USA vor einem bewaffneten Konflikt?“, fragte gestern der Politikwissenschaftler Stefan Bierling in der Neuen Zürcher Zeitung. Dabei ging es überraschenderweise auch um das Verhältnis von Antike und Gegenwart, das in dieser Sammlung bereits öfter Thema war. Denn Bierling, Professor für Internationale Politik an der Universität Regensburg, bezog sich dabei unter anderem auf geschichtswissenschaftliche Erkenntnisse:

Der griechische Historiker Thukydides ist dafür Kronzeuge. Er schrieb über den Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs im 5. Jahrhundert vor Christus: «Es waren der Aufstieg Athens und die Furcht, die das in Sparta auslöste, was den Krieg unausweichlich machte.» Graham Allison von der Harvard-Universität hat in seinem neuen Buch «Für Krieg bestimmt: Können Amerika und China der Thukydides-Falle entkommen?» sechzehn vergleichbare Rivalitäten der vergangenen 500 Jahre analysiert. Das Ergebnis: Bis auf vier endeten alle mit Krieg. Allison hält einen militärischen Konflikt zwischen den USA und China in den kommenden Jahrzehnten für wahrscheinlich.

Solche Vergleiche – präziser vielleicht: Analogiebildungen – kritisiert dagegen der Althistoriker Roland Steinacher in einem Interview mit der Taz; wobei der Bezugspunkt ein anderer ist, geht es doch (einmal mehr) um die Völkerwanderung.

Werbeanzeigen

NZZ-Analyse zur Rolle der Geschichtskultur im Syrienkrieg

In der Neuen Zürcher Zeitung rezensierte Mona Sarkis letzte Woche das Buch „Out of Syria, inside Facebook“ (von Dona Abboud). Es gehe in Syrien um einen Kampf der Ideen: „Gottesstaat statt Vaterland“ – wobei für letztere, von der Dynastie der Assads propagierte Idee „ein ziemlich willkürliches Geschichts-Potpourri“ als Quelle diene.

Spiegel-Meldung aus Münster (1965)

Nachtrag zur Traditionspflege der Bundeswehr:

Wilhelm Meyer-Detring, 58, Kommandierender General des in Münster stationierten 1. Korps der Bundeswehr, entschuldigte sich bei den Abiturienten des Münsterschen Gymnasiums Paulinum mit einem Brief in lateinischer Sprache dafür, daß er die Schüler bei ihrem vorgesehenen Korps-Besuch wegen einer Dienstreise nicht selbst empfangen könne. Der General, Absolvent eines humanistischen Gymnasiums, verfertigte das 22 Zeilen lange Schreiben mit Hilfe eines Wörterbuches und einer lateinischen Grammatik. Die Abiturienten antworteten auf Griechisch. Für die Übersetzung mußte Meyer-Detring seinen Adjutanten, Hauptmann Fröba, zu Hilfe nehmen.  

Spiegel 12/1965

Die Stadt und ihre Geschichte(n) – Gastbeitrag in der NZZ

In einem Gastkommentar für die Neue Zürcher Zeitung spürte Hannelore Schlaffer dem Begriff der Urbanität nach – als Bezugspunkte dienen ihr unter anderem die antike Polis und die Metropolen des 19. Jahrhunderts.

Palmyra im Blick des Westens

Motiviert gerade das öffentliche Interesse an Syriens antiken Kulturdenkmälern – wie es sich etwa in der (auch hier) angekündigten Ausstellung „Aset in Tadmor“ manifestiert – den selbsternannten Islamischen Staat dazu, eben diese Kulturdenkmäler zu zerstören?

Die Historikerin Mirjam Brusius geht dieser Frage nach – und auch der westlichen Nostalgie bzw. Sehnsucht nach ‚dem Ortient‘. Im Wissenschaftsporal der Gerda-Henkel-Stiftung wurde sie dazu jüngst interviewt.

Die Völkerwanderung als Thema der Geschichtskultur

Ulpiano Checa La invasión de los bárbaros
[Ulpiano Checa: „La entrada de los Hunos en Roma“ (1887); WikiCommons, CC-BY-SA-3.0]

Lassen sich Lehren ziehen aus der Völkerwanderungszeit für die aktuellen Debatten um Immigration und Emigration? Stefan Esders, Professor an der FU Berlin, wirft in seinem Blogbeitrag einen kritischen Blick auf die gegenwärtige geschichtskulturelle Debatte, die nicht allein in Deutschland geführt wird, und – wie das oben stehende Bild zeigt – eine längere Vorgeschichte hat.

Veranstaltungsankündigung: „Aset in Tadmor“

Ab dem 21. Juli 2016 zeigt der Westfälische Kunstverein am Domplatz in Münster Arbeiten von Verena Issel.  „Aset ind Tadmor“ verhandelt den Umgang mit Kulturerbe im Syrischen Krieg.

Zum Thema siehe auch eine laufend aktualisierte Übersicht auf Archaeologik.