Sinnvolle Vergleiche? Antike und Gegenwart

„Stehen China und die USA vor einem bewaffneten Konflikt?“, fragte gestern der Politikwissenschaftler Stefan Bierling in der Neuen Zürcher Zeitung. Dabei ging es überraschenderweise auch um das Verhältnis von Antike und Gegenwart, das in dieser Sammlung bereits öfter Thema war. Denn Bierling, Professor für Internationale Politik an der Universität Regensburg, bezog sich dabei unter anderem auf geschichtswissenschaftliche Erkenntnisse:

Der griechische Historiker Thukydides ist dafür Kronzeuge. Er schrieb über den Ausbruch des Peloponnesischen Kriegs im 5. Jahrhundert vor Christus: «Es waren der Aufstieg Athens und die Furcht, die das in Sparta auslöste, was den Krieg unausweichlich machte.» Graham Allison von der Harvard-Universität hat in seinem neuen Buch «Für Krieg bestimmt: Können Amerika und China der Thukydides-Falle entkommen?» sechzehn vergleichbare Rivalitäten der vergangenen 500 Jahre analysiert. Das Ergebnis: Bis auf vier endeten alle mit Krieg. Allison hält einen militärischen Konflikt zwischen den USA und China in den kommenden Jahrzehnten für wahrscheinlich.

Solche Vergleiche – präziser vielleicht: Analogiebildungen – kritisiert dagegen der Althistoriker Roland Steinacher in einem Interview mit der Taz; wobei der Bezugspunkt ein anderer ist, geht es doch (einmal mehr) um die Völkerwanderung.

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Kann man aus der Antike lernen?

Acropolis - from Temple of Zeus (13309584094)

[Akropolis in Athen; George Rex für WikiCommons, CC-BY-SA-2.0]

Ja – meint zumindest Josiah Ober von Universität Stanford. Ihm zufolge lassen sich durchaus Lehren ziehen aus dem Aufstieg der griechischen Stadtstaaten in der Zeit der Klassik. Politische Teilhabe, garantierte Eigentumsrechte, stabile Institutionen und mit alldem einhergehend: Zukunftsvertrauen scheinen wichtige Wohlfahrtsfaktoren zu sein.

Uwe Walter hat dieses neue, der Big History zuzurechnende Werk auf sehepunkte.de rezensiert.