„This opportunistic instrumentalization of history…“

James Kirchick ist ein Journalist und Publizist, dessen Expertise auf der Außenpolitik liegt – und ein ziemlicher Freigeist. Als Neokonservativer unterstützte er Hillary Clinton, bei einem Interview mit dem Kreml-Sender „Russia Today“ spricht er auch gern einfach mal mehrere Minuten – ungefragt – über die Diskriminierung von Homosexuellen in Russland.

 

Zum Jahresende hat er sich auf politico die deutsche Außenpolitik vorgeknöpft, die er für nationalistisch hält und scheinheilig. In von Faz.net heute veröffentlichten Übersetzung heißt es:

Heute sind die Deutschen die einzigen, die Angst vor Deutschland haben. Diese opportunistische Instrumentalisierung der Geschichte – wonach Pazifismus und nicht die Bekämpfung von Diktaturen die wichtigste Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg darstellt – bietet ihnen ein bequemes und moralistisches Alibi gegenüber der Pflicht, globale Verantwortung zu übernehmen.

 

 

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Zum 100. Jahrestag der (Dritten) Flandernschlacht

In Ypern gedenken seit gestern Belgier, Deutsche, Briten und andere Nationen des Commonwealth einer der grausamsten Schlachten an der Westfront des Ersten Weltkrieges. Bundesaußenminister Gabriel fragt zudem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach den Lehren aus diesen Verheerungen – vor allem wohl in Anbetracht der nahenden Bundestagswahl:

Wir wissen, dass eine Steigerung von Militärausgaben nicht gleichbedeutend mit mehr Sicherheit ist. Wir wissen, dass die großen Konflikte und Krisen unserer Zeit nicht militärisch, sondern nur politisch zu lösen sind. Deshalb setzen wir das Thema Abrüstung auf die internationale Agenda, wo andere in Ost und West wieder nur auf Aufrüstung setzen. Deshalb werden wir nicht aufgeben, beharrlich und geduldig daran zu arbeiten, den Konflikt in der Ostukraine mit den Mitteln der Diplomatie zu überwinden und dafür immer wieder um Unterstützung unserer Partner zu werben.

 

 

Bismarck und der halbe Hegemon im Jahr 2015

Bundesarchiv Bild 183-J0320-0500-001, Otto von Bismarck in seinem Arbeitszimmer

[Otto von Bismarck in seinem Arbeitszimmer; Bundesarchiv, Bild 183-J0320-0500-001 / CC-BY-SA 3.0; via Wikimedia Commons]

Wenn der Bundesfinanzminister mit Historikern über die Vorbildfunktion Bismarcks streitet, scheint ein interessanter Sammelband herauszukommen.

Macron, Putin und das Schloss von Versailles

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet sehr ausführlich von den symbolischen und historischen Hintergründen/Implikationen, die dazu führten, dass der neue französische Präsident seinen russischen Amtskollegen nach Versailles einlud.

Die Deutschen, die Amerikaner und die Erinnerung an den Holocaust

Der aus Deutschland stammende Historiker Jacob S. Eder hat jüngst eine (englische/US-amerikanische) Dissertation vorgelegt, in der ein bis heute bedeutsames Stück (bundes-)deutscher Geschichtspolitik thematisiert. In „Holocaust Angst“ geht es zum einen darum, wie US-Amerikaner seit den 1970er-Jahren an die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden erinnern – nämlich zunehmend mit dem Begriff „Holocaust“.

Zum anderen – und vor allem – untersucht Eder die Frage, inwiefern die Rezeption dieser Geschichtskultur durch die Bundesregierung unter Helmut Kohl deutsche Außenpolitik prägte; und inwiefern dabei besonders Versuche unternommen wurden, das Deutschland-Bild in den USA zu korrigieren.

Peter Hoeres, Professor an der Universität Würzburg, hat das Buch in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am 2. Januar stark kritisiert.

Nun reagiert Jacob S. Eder auf dem Wissenschaftsportal der Gerda-Henkel-Stiftung.

 

Nachtrag vom 17.03.2017:

Matthias Haß von der Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz rezensierte Eders Arbeit jetzt für H-Soz-Kult – mit einem kleinen Seitenhieb auf die bisherigen Besprechungen.

NZZ-Kommentar zur deutschen Außenpolitik

In der Neuen Zürcher Zeitung geht Markus Ackeret hart ins Gericht mit der deutschen Außenpolitik, die er vor allem geschichtskulturell determiniert sieht (#Hitler-Stalin-Pakt, #WillyBrandt, #Russlandbild).

Russlands Vergangenheiten

Vor kurzem fand in St. Petersburg eine deutsch-russische Konferenz statt, in deren Mittelpunkt die Frage stand, welches Verhältnis Russland zu Europa hat. Bei der Spurensuche kamen die Teilnehmer immer wieder auf die Geschichte zu sprechen – und deren Folgewirkungen und Rezeption in der Gegenwart (#1054, #1917, #1991). Weitere Diskussionspunkte waren die russische Außenpolitik, die Beziehung zwischen Staat und orthodoxer Kirche sowie die Lage (oppositioneller) Künstler. Ausführlich von der Tagung berichtete die Neue Zürcher Zeitung in ihrer Ausgabe vom 27. Mai.