Geschichtskultur über Geschichtskultur

Münster nennt sich stolz „Friedensstadt“. Dass das nicht immer so war, zeigt eine Sonderausstellung im Stadtmuseum, die dort bis zum 2. September 2018 zu sehen ist. Ihr äußerer Anlass sind drei Jahrestage: Ausbruch und Ende des Dreißigjährigen Krieges sowie der Waffenstillstand des Ersten Krieges. (Und in der Rezeptionsgeschichte des Westfälischen Friedens sah man nach 1919 durchaus so einige Parallelen….)

Da hier im Blog ja eigentlich das auftauchen soll, was gerade nicht auf dem Dienstschreibtisch liegt, folgt jetzt keine Rezension oder Analyse, sondern nur ein paar Hinweise auf die Highlights:

  • Bis zum Zweiten Weltkrieg stand in Münster ein Friedensdenkmal, dass dann von den Nationalsozialisten eingeschemolzen wurde. Zumindest eine fotografische Reproduktion ist jetzt im Stadtmuseum wieder zu sehen; außerdem erfährt man von den dahinterliegenen Streitereien im Stadtrat.
  • Ebenfalls großformatig gezeigt werden Fotoaufnahmen aus einer Ausstellung, die Münster Stadtarchivar Eduard Schulte 1940 – auf eigene Faust, aber im Auftrag Berliner Behörden – geschaffen hatte.
  • Mein persönliches Lieblingsexponat ist ein Film-Ausschnitt aus dem Jahr 1948, der die damaligen Jubiläumsfeierlichkeiten zeigt, die unter nicht ganz einfachen Umständen (und umso werbewirksamer) umgesetzt wurden.

Inhaltlich würde ich weiterhin an meiner These festhalten, dass der Westfälische Friede in Münster auch nach dem Ersten Weltkrieg nicht durchgängig schlecht beleumundet war (siehe dazu den Beitrag „Erinnerungsorte in Münster“, erschienen in den Westfälischen Foschungen, Jahresband 2015).

Das jedoch nur am Rande – und jetzt vielleicht doch eine Miniaturrezension: Man erfährt als Besucher viel über Münster und sein Marketing, die Gestaltung ist sehr ansprechend und abwechslungsgreich, der gesamte Bereich im besten Sinne überschaubar (wir reden letztendlich von einem großen Raum). Ein Besuch ist lohnenswert – zumal der Eintritt nichts kostet und auch der schöne Begleitband nur mit 9,80 Euro zu Buche schlägt.

 

 

 

 

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Kontroverse Ausstellung kommt nach Münster

Die europäische Wanderausstellung „Verschiedene Kriege“ macht Station in Münster! Und zwar ab dem 24. April im Foyer der Bezirksregierung am Domplatz.

Es geht um die Vermittlung des Zweiten Weltkrieges in Schulgeschichtsbücher aus Tschechien, Deutschland, Italien, Polen, Litauen und Russland – wo die Ausstellung, unter anderem auch von MEMORIAL organisiert, in regierungsnahen Medien heftig kritisiert wurde.

Veranstaltungsankündigung: „Aset in Tadmor“

Ab dem 21. Juli 2016 zeigt der Westfälische Kunstverein am Domplatz in Münster Arbeiten von Verena Issel.  „Aset ind Tadmor“ verhandelt den Umgang mit Kulturerbe im Syrischen Krieg.

Zum Thema siehe auch eine laufend aktualisierte Übersicht auf Archaeologik.

„Homosexualität_en“ – Meldung aus dem Münsteraner Museumsbetrieb

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[Werbegraffito vor dem LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster; eigenes Foto]

Das Schwule Museum* (Berlin) konzipierte im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Deutschen Historischen Museum (ebendort) und dem LWL-Museum für Kunst und Kultur (Münster) die Ausstellung „Homosexualität_en“. Bisher war sie nur in der Hauptstadt zu sehen. In etwas veränderter Form kommt sie nun nach Münster. (Morgen Abend ist ab 20.00 Uhr die große Eröffnung. Vom 13. Mai 2016  bis zum 4. September 2016 folgt der reguläre Ausstellungsbetrieb.)

„Homosexualität_en“ hat auch einen historischen Teil. Er wird unter anderem das Porzellanservice zeigen,  das die Mitglieder der Mannschaft erhielten, die 1989 die Frauenfußball-EM 1989 gewann; außerdem Fotos von der bundesweit ersten Demonstrationen homosexueller Menschen im Jahr 1972, die übrigens in Münster stattfand. Eine historische Dimension hat ebenfalls der oben abgebildete Rosa Winkel: In den nationalsozialistischen KZ wurden Homosexuelle mit diesem Symbol ‚markiert‘. Ein Thema, von dem auch der Spielfilm „Un Amour à taire“ (Frankreich, 2005) handelt:

Jan Feddersen berichtete gestern in der taz davon, dass die Deutsche Bahn das aus Berlin bekannte Ausstellungsplakat kassiert hat.

In Münsters Straßenbild, in dem der schienengebundene Nahverkehr nun nicht gerade dominiert, ist es glücklicherweise durchaus präsent:

plakat

[Plakat zur Ausstellung „Homosexualität_en“ an einer Münsteraner Bushaltestelle; eigenes Foto]

Nachtrag in Sachen Bahn:

Die Pressestelle des Landschaftsverbandes twitterte übrigens schon am Dienstagmorgen, dass es nun doch losgehe mit der Reklame.