Gedenken an NS-Verfolgte in Münster – Neue App vorgestellt

Wie in vielen anderen Städten erinnern in Münster sogenannte Stolpersteine an Menschen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden. Gestern wurde eine App vorgestellt, mit deren Hilfe sich diese Form des Gedenkens leichter erschließen lässt.

Advertisements

Must Rhodes Fall?

Cecile Rhodes (1853-1902) war Unternehmer, Mäzen, Politiker – und ein rassistischer Imperialist. Unter anderem war das heutige Simbabwe mal nach ihm benannt (Rhodesien).

In den letzten Jahren wird vermehrt darüber gestritten, ob ihm zu Ehren errichtete Denkmäler entfernt werden sollen. Faz.net brachte – schon vor einigen Wochen, ich komme hier gerade leider zu nichts – ein Interview mit dem Oxfordstudenten Max Harris, der ein Stipendium erhielt, das von Rhodes gestiftet und nach ihm benannt ist. Harris ist dabei alles andere als ein Rhodes-Fan, ein interessanter Einblick in eine fremde (Geschichts-)Debattenkultur.

Denkmal im Weltraum

Die NASA schickte 1977 zwei Sonden durch das Sonnensystem, die sie Voyager 1 und 2 taufte. Sie haben ihre Zielobjekte längst passiert, Messdaten übermitteln sie aber bis heute (siehe einen tollen Bericht auf faz.net von gestern, zum Jahrestag des Raketenstarts).

Voyager 1 und Voyager 2 sind dabei nicht allein fliegende Labore, sondern auch Denkmäler.

An Bord befindet sich nämlich jeweils eine goldene Schallplatte. Gespeichert sind darauf unter anderem die Aufnahmen von 55 Menschen, die in ihrer Muttersprache grüßen, sowie große Musik – etwa von Bach und Beethoven. Eine Bedienungsanleitung für etwaige außerirdische Finder liegt übrigens bei.

Das schönste Denkmal der Menschheit –  eines, das auch dann noch an erinnern wird, wenn sie ausstirbt –  irrt in ein paar Jahren durch den Weltraum.

Eine etwas profanere Kopie kann man jetzt auch käuflich erwerben:

„Wird die Waldemarsmauer bald verschleudert wie ein defizitäres Schwimmbad?“

Das Danewerk ist ein einzigartiges Denkmal: Ein System von Mauern, Wällen und Festungsanlagen, dessen Anfänge bis in das 8. Jahrhundert zurückreichen. Es diente Karl dem Großen und noch im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864.

Auf dem Geschichtsblog SH schreibt Jan Wieske darüber, wie der Landkreis Schleswig-Flensburg allen Ernstes versucht, dieses Denkmal zu verkaufen – mittlerweile will der Kreis gar draufzahlen…

(Via archivalia.hypotheses.org)

Preußen Münster und die Geschichtskultur (iii) – heute: das Duell mit dem Prinzipalmarkt

In Münster wird über den Bau einer neuen Fußballstätte gestritten. Das heutige städtische Stadion an der Hammer Straße – besser bekannt als „aufm Preußen“ – steht dort nämlich seit 1927 und wäre eigentlich ein Fall für die obere Denkmalschutzbehörde; weshalb ich zum Beispiel es immer noch sehr gern mag. Neue Dynamik erhielt die Debatte, als der Verein mit Walther Seinsch (ehemals Takko und kik) einen neuen Mäzen gewinnen konnte (beziehungsweise, seitdem dieser den Verein auf links zieht).

Preußenstadion Münster.jpg
[Das Preußenstadion 2007 – vor dem Neubau der Tribüne; Stahlkocher für WikiCommons, CC BY-SA 3.0]

Fahrlässigerweise wurde die Marke „Preußen Münster“ vom neu installierten Präsidenten Christoph Strässer (MdB, SPD) nun gegen den Prinzipalmarkt ausgespielt.Damit den geht es aber ans Eingemachte (siehe Teppe, Politisches System, in: Jakobi (Hg.), Geschichte der Stadt Münster, Bd. 3, 1992, S. 1ff. und Termeer, Münster als Marke, 2010).

Die Westfälischen Nachrichten zitierten (am 29. November 2016) den Oberbürgermeister  Lewe – nicht eben überraschend: ein Christdemokrat – wie folgt:

Lewe verwies im Gegenzug darauf, dass der nach dem Zweiten Weltkrieg von den Kaufleuten wieder aufgebaute Prinzipalmarkt ein zentraler Bestandteil der münsterischen Identität sei. „Wir sind stolz auf den Prinzipalmarkt.“ Hier zeige sich das mangelnde Verständnis der SPD von Münsters Identität.

Prinzipalmarkt 1863 August Hilbig
[Der Prinzipalmarkt in einem Gemälde von August Hilbig (1863) – vor dem Neubau des Lambertiturms und der Restauration nach 1948; via WikiCommons]

Der Vergleich selbst ist übrigens mindestens 27 Jahre alt:

Aber schon die Umstände der Vergleichsbildung zeigen, wie wenig sinnvoll die Gegenübersetzung zwischen der „guten Stube“ und dem Stadion ist. Es war ein Feiertag. Und Freudentaumel und Politik vertragen sich nicht (etwas anders sieht das offenbar Carsten Schulte auf Westline).

Meine Einschätzung nach wird man innerhalb der Stadtgesellschaft jedenfalls nicht gegen das Symbol „Prinzipalmarkt“ ankommen. Spannende Zeiten für die Preußen nahen also – bald jedoch vielleicht außerhalb der Stadtgrenzen, das heißt mit allen Traditionen brechend?

Nachtrag vom 07.12.2016:

Ebenfalls auf Westline erklärt Thomas Knüwer (bekannt aus „Indiskretion Ehrensache“) den soziologischen Sinn und Zweck eines Stadions – und das sehr anschaulich.

Klack Zwo B

1994 produzierten die Bochumer Filmemacher „Klack Zwo B“ eine kurze Dokumentation, die von Kriegerdenkmälern handelt. Ein sehenswertes Stück Geschichtskultur über Geschichtskultur.

http://www.bochumschau.de/video/soldaten-denkmal-stadtpark-bochum-2012.htm