Barkenberg, oder: Neue Stadt Wulfen

Dort, wo das Münsterland allmählich in das Ruhrgebiet übergeht, liegt in ein städtebauliches Kleinod namens Barkenberg. Barkenberg gehört eigentlich zu Wulfen, und Wulfen mittlerweile zu Dorsten, doch der Reihe nach…

Nach dem Zweiten Weltkrieg verschob sich der Steinkohleabbau in Westfalen immer weiter nach Norden.  1963 wurde in Wulfen, bisher eine kleine Gemeinde mit etwa 3.000 Einwohnern, eine Zeche eröffnet. Wohnraum für die erwarteten Kumpel war entsprechend knapp und so wurde auf dem Reißbrett ein ganz neuer Stadtteil geplant: Barkenberg.

In Barkenberg verbanden sich in den 1960er- und 1970er-Jahren neues ökologisches Bauen mit einer Soziologie, die von dörflichen Traditionen wenig hielt sowie eine große Portion Fortschrittsoptismus. Doch auch wenn in der Zeche Wulfen bis Ende des Jahrtausends Kohle gefördert wurde, ging das Projekt nie ganz auf: die Kohlekrise wirkte auch hier, die geplanten Einwohnerzahlen wurden nie erreicht und Wulfen 1975 nach Dorsten eingemeindet. Am Schreibtisch lässt sich eben wohl doch nicht alles planen.

Umso interessanter ist, wie sich dann selbst in solchen Zukunftsprojekten wieder Geschichte niederschlägt: Die Fahrradhauptstraße – Verkehrsmittel wurden in Barkenberg sorgfältig getrennt – heißt weiterhin nach ihrem Erbauer Napoleonsweg.

Eben dort findet man auch folgendes kleines Denkmal, über das ich noch nicht mehr herausfinden konnte, außer dass die örtliche SPD die Patenschaft inne hat. Teile der Sprayerszene scheinen das jedoch wohl nicht ganz so zu respektieren.

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Und an die Industriekultur wird auch noch andernortens und vielleicht unerwarteterweise erinnert: In der modern gebauten (und äußerst beeindruckenden) St.-Barbara-Kirche. Dort verbinden sich der Betonbau mit einem westfälischen Erinnerungsort – der Roten Erde (siehe dazu erneut die Bilder auf dem Wulfen-Wiki; zur Motivwahl jetzt auch: Biederbeck, Rote Erde, in: Krull (Hg.), Westfälische Erinnerungsorte, 2017, S. 181ff.).

Ruhrpott auffer Leinwand

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[Adolf Winkelmann vor ’seinem‘ Dortmunder U; Wuselig für Wikimedia CC-BY-SA-3.0]

Auf dem Dach der ehemaligen Union-Brauerei in Dortmund, weithin sichtbar durch ihr großes und leuchtendes U, thront seit der RUHR.2010 eine Videoinstallation. Verantwortlich dafür ist der Künstler Adolf Winkelmann (*1946). Wenn er nicht gerade Industriekultur verschönert, dreht Winkelmann Filme, von denen schon einige mit dem Grimme-Preis prämiert wurden.

Sein jüngstes Werk heißt „Junges Licht“ (Deutschland, 2016) und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ralf Rothmann (*1953).

„Junges Licht“ spielt in Dortmund – kurz vor dem Strukturwandel und ’68. Der zwöfjährige Julian verbringt mit seinem Vater, dem Bergmann Waller, einen Sommer allein in der Mietwohnung, während Schwester und Mutter an die See fahren. Auf sich allein gestellt lernen Julian und Waller allerhand kennen: über (zum Teil unerwünschte) erotische Nachstellungen, Freundschaft und Familie. Als Zuschauer erfährt man zudem noch einiges über den Kohlebergbau, das Koksen und das katholische Arbeitermilieu – oder vielleicht doch eher darüber, wie diese Vergangenheit heute gesehen wird? Eine sehenswerte Hommage an das alte Ruhrgebiet jedenfalls.