Perlen der Wikipedia (vi)

Besondere poetische Leistungen lieferte Albert Wilkens in Gedichten und kleinen Epen, die sich um einen Lustgarten, das „Bagno“ rankten, den der Nottulner Dechant Vehoff in einem Bruch-Tal nahe dem Dorfe angelegt hatte. Möglicherweise liegt in diesem wildromantischen Garten die wesentliche Quelle der Wilkens’schen Innovationen. Hier verortete er ganz nebenbei auch noch die Varus-Schlacht. Nicht unwahrscheinlich ist, dass Wilkens zum wesentlichen Teil seiner Erfindungen und poetischen Ergüsse im Freundeskreis der Kleriker und Stiftdamen des ehemaligen Damen-Stiftes Nottuln inspiriert wurde.

(Aus dem Lemma über den Nottulner Kaplan und Heimatforscher Albert Wilkens (1790-1828))

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Barkenberg, oder: Neue Stadt Wulfen

Dort, wo das Münsterland allmählich in das Ruhrgebiet übergeht, liegt in ein städtebauliches Kleinod namens Barkenberg. Barkenberg gehört eigentlich zu Wulfen, und Wulfen mittlerweile zu Dorsten, doch der Reihe nach…

Nach dem Zweiten Weltkrieg verschob sich der Steinkohleabbau in Westfalen immer weiter nach Norden.  1963 wurde in Wulfen, bisher eine kleine Gemeinde mit etwa 3.000 Einwohnern, eine Zeche eröffnet. Wohnraum für die erwarteten Kumpel war entsprechend knapp und so wurde auf dem Reißbrett ein ganz neuer Stadtteil geplant: Barkenberg.

In Barkenberg verbanden sich in den 1960er- und 1970er-Jahren neues ökologisches Bauen mit einer Soziologie, die von dörflichen Traditionen wenig hielt sowie eine große Portion Fortschrittsoptismus. Doch auch wenn in der Zeche Wulfen bis Ende des Jahrtausends Kohle gefördert wurde, ging das Projekt nie ganz auf: die Kohlekrise wirkte auch hier, die geplanten Einwohnerzahlen wurden nie erreicht und Wulfen 1975 nach Dorsten eingemeindet. Am Schreibtisch lässt sich eben wohl doch nicht alles planen.

Umso interessanter ist, wie sich dann selbst in solchen Zukunftsprojekten wieder Geschichte niederschlägt: Die Fahrradhauptstraße – Verkehrsmittel wurden in Barkenberg sorgfältig getrennt – heißt weiterhin nach ihrem Erbauer Napoleonsweg.

Eben dort findet man auch folgendes kleines Denkmal, über das ich noch nicht mehr herausfinden konnte, außer dass die örtliche SPD die Patenschaft inne hat. Teile der Sprayerszene scheinen das jedoch wohl nicht ganz so zu respektieren.

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Und an die Industriekultur wird auch noch andernortens und vielleicht unerwarteterweise erinnert: In der modern gebauten (und äußerst beeindruckenden) St.-Barbara-Kirche. Dort verbinden sich der Betonbau mit einem westfälischen Erinnerungsort – der Roten Erde (siehe dazu erneut die Bilder auf dem Wulfen-Wiki; zur Motivwahl jetzt auch: Biederbeck, Rote Erde, in: Krull (Hg.), Westfälische Erinnerungsorte, 2017, S. 181ff.).