Sachbuchaffäre

Auf einer Liste mit Lektüreempfehlungen des NDR, der Süddeutschen Zeitung und des Spiegels ist das Buch „Finis Germania (sic)“ aufgetaucht. Rolf Peter Sieferle, der sich letztes Jahr das Leben nahm, rechnete darin mit der deutschen Migrationspolitik ab – auf sehr unappetitliche Weise, wie auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung meint. (Das Schwesterblatt nannte es „ekelhaft„.) Der Essayband erschien im Antaios-Verlag, der keinen Hehl macht aus seiner Begeisterung etwa für die identitäre Bewegung.

Mittlerweile trat der für die Normierung Sieferles verantwortliche Spiegel-Redakteur trat aus der Jury zurück. Das Buch soll indessen bei Amazon auf der Bestsellerliste stehen.

Die Süddeutsche Zeitung wird sich an der Liste nicht mehr beteiligen. Ihr Feuilletonchef, Gustav Seibt, hatte letztes Jahr noch einen sehr wohlwollenden Nachruf auf den Historiker Sieferle verfasst, in dem dessen jüngst erschienener Essayband freilich noch nicht erwähnt wurde.

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Die Völkerwanderung als Thema der Geschichtskultur

Ulpiano Checa La invasión de los bárbaros
[Ulpiano Checa: „La entrada de los Hunos en Roma“ (1887); WikiCommons, CC-BY-SA-3.0]

Lassen sich Lehren ziehen aus der Völkerwanderungszeit für die aktuellen Debatten um Immigration und Emigration? Stefan Esders, Professor an der FU Berlin, wirft in seinem Blogbeitrag einen kritischen Blick auf die gegenwärtige geschichtskulturelle Debatte, die nicht allein in Deutschland geführt wird, und – wie das oben stehende Bild zeigt – eine längere Vorgeschichte hat.

Vergessen in der (Geschichts-)Kultur: Deutsche Auswanderung

Während Deutchland fortwährend über Einwanderung debattiere, komme die entgegengesetzte Migrationsbewegung kaum zur Sprache – Adrian Daub bemängelt als Gastkommentor in der Neuen Zürcher Zeitung das fehlende (historische) Bewusstsein für die deutsche Auswanderung.

Trappeto-Solingen-Trappeto

In den 1960er-Jahren zogen viele Menschen aus Sizilien nach Solingen, zunächst der Arbeit wegen. Viele kehrten später in die italienische Heimat zurück, wo sie sich auf einmal wieder nach Nordrhein-Westfalen sehnten… Es begann ein Leben zwischen zwei Ländern, von dem Deutschlandradio Kultur in einer Multimedia-Reportage berichtete. Heute erhielt „Trappeto-Solingen-Trappeto … und zurück“ den Grimme Online Award.