#Nazi-Vergleich: Tumulte auf der Buchmesse – Plädoyer in der taz

Auf der diesjährigen Buchmesse gerieten Rechte und Linke aneinander, es gab gar Handgreiflichkeiten. Vergleiche zur NS-Zeit hatten einmal mehr Konjunktur. Dirk Knipphals merkt dazu in der Tageszeitung an:

Demagogische Vergleiche mit Goebbels-Reden machten die Runde. Die Nazikeule wurde sowieso geschwungen, als ob man noch nie davon gehört hätte, wie unbeholfen und schwierig sie ist (und wie leicht man mit ihr in Gefahr gerät, im Umkehrschluss die historischen Gräuel der realen Nazis zu relativieren; ­Auschwitz ist immer noch etwas anderes).

Und plädiert in der Sache für eine inhaltsbezogene Auseinandersetzung mit (neu-)rechten Positionen:

Letztlich, was gilt es gegen die Neuen Rechten zu verteidigen? Das ist eben auch der Wille zur Differenzierung und auch der, sich nicht von den eigenen Projektionen gefangen nehmen zu lassen, es ist die Fähigkeit, Dissense gut auszutragen und untereinander bestehende Uneinigkeiten nicht durch die Produktion eines Feindbildes zu überspielen.

Bitte mehr von diesem „Wille[n] zur Differenzierung“!

 

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Nachtrag zu „Finis Germania“

In der Jüdischen Allgemeinen seziert Volker Weiß den in diesem Blog schon einmal kurz erwähnten Essayband „Finis Germania“ Hans Peter Sieferles: Das „Pamphlet strotzt vor völkischen und judenfeindlichen Aussagen – und stürmt die Bestsellerlisten“.

Weiß ist mit der Materie bestens vertraut, sein Buch über die „Autoritäre Revolte“ ist eine herausragende Analyse jenes neurechten Diskurses, der sich bei Pegida, der Jungen Freiheit, dem Institut für Staatspolitik und auch der AfD findet. Denn die Studie bringt sehr klare Befunde zum Biologismus, Antirepublikanismus (beides S. 115) und NS-Kult der Szene (S. 114ff.) (in dem Punkt irrte Jörg Retterath in seiner Rezension auf HSozKult) – und all das ist umso überzeugend-erschreckender dargestellt, als Weiß auf den bei diesem Thema üblichen Duktus von 3Sats „Kulturzeit“ verzichtet.