Nachtrag zu „Finis Germania“

In der Jüdischen Allgemeinen seziert Volker Weiß den in diesem Blog schon einmal kurz erwähnten Essayband „Finis Germania“ Hans Peter Sieferles: Das „Pamphlet strotzt vor völkischen und judenfeindlichen Aussagen – und stürmt die Bestsellerlisten“.

Weiß ist mit der Materie bestens vertraut, sein Buch über die „Autoritäre Revolte“ ist eine herausragende Analyse jenes neurechten Diskurses, der sich bei Pegida, der Jungen Freiheit, dem Institut für Staatspolitik und auch der AfD findet. Denn die Studie bringt sehr klare Befunde zum Biologismus, Antirepublikanismus (beides S. 115) und NS-Kult der Szene (S. 114ff.) (in dem Punkt irrte Jörg Retterath in seiner Rezension auf HSozKult) – und all das ist umso überzeugend-erschreckender dargestellt, als Weiß auf den bei diesem Thema üblichen Duktus von 3Sats „Kulturzeit“ verzichtet.

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Sachbuchaffäre

Auf einer Liste mit Lektüreempfehlungen des NDR, der Süddeutschen Zeitung und des Spiegels ist das Buch „Finis Germania (sic)“ aufgetaucht. Rolf Peter Sieferle, der sich letztes Jahr das Leben nahm, rechnete darin mit der deutschen Migrationspolitik ab – auf sehr unappetitliche Weise, wie auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung meint. (Das Schwesterblatt nannte es „ekelhaft„.) Der Essayband erschien im Antaios-Verlag, der keinen Hehl macht aus seiner Begeisterung etwa für die identitäre Bewegung.

Mittlerweile trat der für die Normierung Sieferles verantwortliche Spiegel-Redakteur trat aus der Jury zurück. Das Buch soll indessen bei Amazon auf der Bestsellerliste stehen.

Die Süddeutsche Zeitung wird sich an der Liste nicht mehr beteiligen. Ihr Feuilletonchef, Gustav Seibt, hatte letztes Jahr noch einen sehr wohlwollenden Nachruf auf den Historiker Sieferle verfasst, in dem dessen jüngst erschienener Essayband freilich noch nicht erwähnt wurde.