Zur Zukunft der Archive…

… brachte der Deutschlandfunk gestern einen Beitrag (via archivalia):

330 Kilometer Akten lagern hier. Welches Dokument in dieses Bundesarchiv kommt, und wer es dort einsehen darf, ist durch das Bundesarchivgesetz geregelt. Viele Jahre lang hatte niemand etwas an diesem Gesetz auszusetzen, doch nun fordert die Digitalisierung auch hier ihren Tribut: Archivgut ist längst nicht mehr nur aus Papier. Das wirft Fragen darüber auf, was in welcher Form am besten aufbewahrt werden sollte. Der Bundestag wird im September direkt nach der Sommerpause eine Neufassung des Bundesarchivgesetzes verhandeln. (DLF; s.o.)

Das Bundesarchiv plant derweil ein großes Digitalisierungsprojekt zur Weimarer Republik.

In beiden Zusammenhängen stellt sich mir nun die Frage nach den Folgen für die tatsächliche Forschungsarbeit (genauer gesagt: in Bezug auf die Heuristik); Folgen, die im Deutschlandfunkbeitrag leider nicht thematisiert wurden.

Kurz und knapp formuliert: Wie oft werden wohl noch jene analogen Archivgüter analysiert werden, die nicht digitalisiert und vor allem: frei zugänglich im Netz vorliegen (da übersehen oder zum Zeitpunkt der Digitalisierung scheinbar unwichtig)? Was bedeutet eine solche Engführung, die sich aus Pragmatik und Bequemlichkeit ergeben wird, für die Forschung? (Geht bald noch jemand Wege wie im Fall Kurras?) Und inwiefern ist Forschenden und Vermittelnden dann noch bewusst, dass Archive eine mehrfache Selektionsaufgabe haben, die – man mag die Funktion gutheißen oder nicht – sich eben auch nicht mit der Digitalisierung analoger Akten erledigen wird?

 

Rio Reisers Todestag

Als seine Freunde am 1. September Abschied nahmen, wurde auch ein  Kapitel deutscher Musikgeschichte zu Grabe getragen. Zerissen zwischen revolutionärem Anspruch und den kommerziellen Realitäten, verkörpert Rio selbst in seinem Scheitern ein deutsches Schicksal.

(Rolling Stone 10/1996, zitiert nach der Scherbenfamily)

Rio Reisers Werk – und der ihn umgebenden Scherben – ist historisch. Sei es als Quelle („Keine Macht für Niemand„), sei als Produkt der Vergangenheitsbewältigung („Ich will nicht werden, was mein Alter ist„), sei es als Fortschreibung hegelianischer Geschichtsphilosophie („Der Traum ist aus„). Und er ist selbst, wie wir oben sehen bereits kurz nach seinem Tode, zu einer geschichtskulturellen Ikone (v)erklärt worden.

Vor zwanzig Jahren ist Rio Reiser gestorben. In der taz erinnern sich Wegfährten und Freude an ihn.

Ob er, wie der eingangs zitierte Rolling Stone meinte, tatsächlich gescheitert ist, wage ich zu bezweifeln. Rio Reiser dürfte nämlich der wohl meistgecoverteste Liedermacher (sprich: deutschsprachig) der letzten beiden Jahrzehnte gewesen sein. In meinen Ohren klingen die meisten Interpretationen leider ziemlich mies. Aber Grönemeyers „Übers Meer“ – gesungen auf der erwähnten Abschiedsfeier – hat doch etwas für sich:

 

 

Die Perlen der Wikipedia (ii)

Als Komparsen wollte Spielberg zunächst Soldaten der britischen Armee anheuern. Seine Forderung von tausend Soldaten erschien dem Militär allerdings übermäßig. Schließlich erklärte sich das irische Militär bereit, Soldaten als Komparsen abzustellen. Viele von ihnen hatten schon Erfahrung im Filmgeschäft, da sie einige Jahre zuvor in Mel Gibsons Film Braveheart eingesetzt worden waren.

(Artikel Der Soldat James Ryan)

Preußen Münster und die Geschichtskultur (ii)

Die Fiffi-Gerritzen-Kurve, benannt nach dem Größten, der jemals für die Adler auflief, zeigte heute im Stadion einmal mehr ein Stück Geschichtskultur. Bilder von der Choreographie, die vor dem Spiel gegen die Mannschaft des Meidricher Sportvereins Duisburg entrollt wurde, gibt es unter anderem auf

http://www.klein-muffi.de/bilder1617/duisburg10082016/#

und

http://www.westline.de/fotostrecken/fussball/sc-preussen-muenster/3-spieltag-preussen-muenster-msv-duisburg-11 .

 

Nachtrag – MS4L hat auch ein Video:

Palmyra im Blick des Westens

Motiviert gerade das öffentliche Interesse an Syriens antiken Kulturdenkmälern – wie es sich etwa in der (auch hier) angekündigten Ausstellung „Aset in Tadmor“ manifestiert – den selbsternannten Islamischen Staat dazu, eben diese Kulturdenkmäler zu zerstören?

Die Historikerin Mirjam Brusius geht dieser Frage nach – und auch der westlichen Nostalgie bzw. Sehnsucht nach ‚dem Ortient‘. Im Wissenschaftsporal der Gerda-Henkel-Stiftung wurde sie dazu jüngst interviewt.

Ein Gespräch über das Altern

Die Neue Zürcher Zeitung brachte am Wochenende ein Interview mit dem Kulturwissenschaftler Robert Harrison. Er diagnostiziert ein verbreitetes und gesellschaftlich akzeptiertes Desinteresse daran, erwachsen zu werden. Ihm und dem damit einhergehenden Traditionsverlust stellt Harrison sein Konzept der „kulturellen Neotenie“ entgegen.

Die Thesen triefen natürlich vor Pessimismus. Bezüglich Deutschland lässt die letzte Shell-Studie auch laute Zweifel anmelden. Aber interessant sind einige Überlegungen schon – und einschlägig für diesen Blog ohnehin. Lesen!